10 Dinge, die ich gerne gewusst hätte, bevor ich zwei Romane geschrieben habe

Mein Traum war es, seit Kindertagen, ein eigenes Buch zu schreiben. Aber ich habe lange gebraucht, um herauszufinden wie. Es gibt viele kluge Quellen über das Schreiben, die ich alle hätte konsultieren können. Habe ich aber nicht. Ich habe einfach gemacht. Das war einerseits schön, aber andererseits unnötig anstrengend.

Mein erstes Buch „Die Apokalypse ist nicht das Ende der Welt“ habe ich aus dem inneren Bedürfnis zu schreiben heraus einfach angefangen. Ich wollte etwas schreiben, das mich glücklich macht. Mittendrin habe ich mich entschieden einen Onlinekurs zu machen, um mehr über Aufbau und Charakterentwicklung zu lernen und das hat mir enorm geholfen. Ich habe Ewigkeiten an dem Buch gearbeitet und es war bis zum Ende nicht in dem Zustand, indem ich es haben wollte. Aber irgendwann musste ich es schlicht veröffentlichen. 

Es war nicht perfekt, aber genau richtig für den Moment.

Jetzt, da Book-King seinen Vertrieb einstellt, ist der perfekte Zeitpunkt, um dieses Buch neu aufzulegen. Jetzt habe ich die Gelegenheit, es so zu überarbeiten, dass ich es in einen Zustand bringen kann, der meiner Vorstellung damals wenigstens etwas näher kommt. Im Zuge dessen sind mir zehn Dinge eingefallen, die ich gerne gewusst hätte, bevor ich mit der Apokalypse angefangen habe.

1. Schreiben ist nicht linear

Deine Geschichte bewegt sich vielleicht von A nach B, aber dein Schreibprozess tut das nicht. Weil mir das aber nicht klar war, habe ich immer wieder vorne angefangen. Daher ist der Anfang meines Buches um ein Vielfaches öfter überarbeitet worden, als der Schluss, weil ich nach jeder Schreibpause wieder vorne anfing.

2. Habe wenigstens eine ungefähre Vorstellung davon, wo die Geschichte hin soll

Den Schluss und die wichtigsten Stationen der Geschichte zu kennen hilft definitiv einen Anfang zu schreiben, der deine Leser auch sinnvoll durch diese hindurch zu führen. Hätte ich das mal früher gewusst!

3. Schaffe ein Fundament

Damit meine ich sowohl eine solide Hintergrundgeschichte, auf der deine Geschichte ruht, als auch ein Fundament an Wissen über das Schreiben. Natürlich musst Du nicht 100 Kurse belegen, aber es hilft meiner Meinung nach, enorm neugierig zu sein! Lies Sachen: Bücher, Zeitung, Zeitschriften, Blogs – nicht nur zum Thema schreiben, sondern zu allem, was dich irgendwie interessiert! Ich war schon immer begeisterte Leserin, habe Comics gesammelt und trashige alte Horrorfilme geschaut – ich habe ein riesiges Fundament für groteske Geschichten in meinem Kopf.

4. Verlange nicht zu viel

Weder wirst Du direkt von Anfang an schreiben wie deine großen Vorbilder, noch wird dein Erstlingswerk sofort megaerfolgreich (höchstwahrscheinlich jedenfalls). Ich erinnere mich an dem Moment, als ich das erste Mal ein gedrucktes Buch von mir in der Hand hielt. Dieser Moment war in meinem Kopf immer so groß gewesen, so ein Meilenstein. Und dann? Dann passiert erst mal gar nichts. Die Welt dreht sich weiter, der Mond dreht sich um die Erde und einer der wichtigsten Momente meines Lebens verstrich ungesehen. Das ist okay. Weiß ich jetzt. Gib Dir Zeit. Meine eigene Ungeduld war meistens die Quelle meiner Frustration. Inzwischen bin ich glücklich mit dem, was ich bisher erreicht habe und freue mich auf alles, was noch kommen mag. Und: Falls Du sofort mit deinem ersten Buch einen riesigen Erfolg haben solltest, freue ich mich sehr für dich.

5. Hab eine Romanze mit deiner Schreibzeit

Kennst Du das Gefühl, frisch verliebt zu sein? Wenn alles woran man denken kann, das Objekt seiner Begierde ist und man jeden noch so kleinen Freiraum nutzt für Tagträumerein, schnelle Küsse oder einen heftigen, leidenschaftlichen Quickie zwischen zwei wichtigen Telefonaten? Hab das. Mit deiner Schreibzeit. Nutze jede Sekunde, um an dein Projekt zu denken, ein paar Zeilen niederzuschreiben und deinen Plot zu überarbeiten. Hab Spaß daran und sei leidenschaftlich.

6. Der „leidende Künstler“ ist ein bescheuertes Kack-Klischee

Man kennt das Bild, des von Dämonen geplagten Künstlers, der an seiner eigenen Genialität zu Grunde geht. Es gibt so viele Beispiele für dieses Bild, von Lord Byron über Schiller und Wilde hin zu jeden zweitem Hobbyautoren auf Wattpad. Überall Geheule über die Schrecklichkeit des Schreibens. Mir kam das schon immer seltsam vor, aber irgendwie, dachte ich, gehört das dazu. Nein, tut es nicht. Ich habe keine Zeit für sowas. Wenn Schreiben so furchtbar ist, dann lass es. Beauftrage Texter, ich nehme sicher den einen oder anderen Job. Denn ich liebe es, zu schreiben. Mein Leben ist zu kurz, um mir einen Beruf oder ein Hobby zu suchen, dass mich fertigmacht. Es ist okay, Spaß zu haben!

7. Simpel und einfach sind nicht das Gleiche

Es ist ziemlich prätentiös und (in meinen Augen) albern möglichst kompliziert zu schreiben, um klüger zu wirken. Wenn deine Zielgruppe deinen Text nicht versteht, dann erfüllt der Text seinen Sinn nicht. Aber, Du musst den Lesenden auch nicht das Gefühl geben, doof zu sein. Klar verständliche Sätze sind gut. Einen Text zu schreiben, der wirkt, als hättest Du null Vertrauen in die kognitiven Fähigkeiten deiner Zielgruppe, ist nicht gut. Da ich inzwischen auch viel in einem akademischen Kontext schreibe, habe ich inzwischen ein Gefühl dafür, wie man für welche Zielgruppe schreibt. Und (kleines Geheimnis hier am Rande) auch in wissenschaftlichen Arbeiten ist es Quatsch absichtlich kompliziert zu schreiben. 

8. Es ist okay, erstmal deine Idole zu kopieren

Wahrscheinlich hat jeder mal Phasen, in denen man bewusst oder nicht, einem seiner Idole nachstrebt. Mein Papa hat mal ohne darüber nachzudenken, über Wochen Jamie Oliver Rezept gekocht. Ich hatte eine Phase, in der ich versucht habe zu klingen wie Neil Gaiman, ohne darüber nachzudenken und mich angezogen habe wie Amanda Palmer während ihrer Dresden Dolls Zeit (aber mit Hosen).

Wir alle streben unseren Vorbildern nach. Das ist okay. Hauptsache ist, wir benutzen diese Inspiration als Trittbrett, um unsere eigene Schreibstimme zu finden und Versuchen nicht ewig nur zu kopieren.

9. Manchmal schreibt man nicht, das ist auch okay

Nicht jedes Hobby bleibt für immer. Manchmal geht uns die Puste aus. Manchmal kommt das Leben dazwischen. Für meinen ersten Roman habe ich fünf Jahre gebraucht und der hat nur (Stand jetzt) 260 Seiten. Druck und Stress ist auf jedenfalls nicht hilfreich.

10. Vergiss nicht tatsächlich zu schreiben

Wir können alle viel über das Schreiben sprechen, lesen, träumen – wenn Du dich nicht hinsetzt und ein Wort an das andere reihst, wirst Du kein Buch fertig stellen. Ich weiß, ich fand diese Erkenntnis auch enorm blöd.

Es hilft aber leider alles nichts – um zu schreiben, müssen wir schreiben. Mir hat das am Anfang unheimlich viel Angst gemacht. Was, wenn ich in der Sache, von der ich seit meiner Kindheit träume sie zu tun, kacke bin? Was, wenn der Erfolg ausbleibt? Was, wenn alle meine Bücher doof finden? Irgendwann musste ich meine Bücher veröffentlichen, trotz dieser Ängste.

Es ist nicht so, als wären sie weg. Aber ich gebe ihnen heute weniger Raum und Luft. Ich liebe es, zu schreiben. Es macht mich glücklich und manche meiner Projekte lösen in mir eine absolute Euphorie aus. Genau das möchte ich in meinem täglichen Leben. Begeisterung, Leidenschaft und möglichst wenig Excel-Listen!

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